Viktor Frankl Symposium 2019 - Sinn und Wege

Zum 12. Mal lädt unsere Hochschule zum Symposium zu Ehren ihres Namensgebers und wird zum Schauplatz eines lebendigen Gedankenaustauschs, bei dem internationale Expertinnen und Experten Menschen, die mit Viktor Frankl in Berührung gekommen sind oder kommen möchten, begegnen. Gemeinsam denken sie über die mögliche Bedeutung der Lehre des Gründers der dritten Wiener Schule der Psychotherapie für ihr Leben nach. Diesmal steht dieses Nachdenken unter dem Zeichen der Wege. Denn so, wie viele Wege zum selben Ziel führen, ist es auch mit dem Leben, dessen Ziel es ist, von seiner es lebenden Person sinnvoll erlebt zu werden. Denn genau das versucht Viktor Frankl uns zu vermitteln: dass menschliches Sein so angelegt ist, dass der Wille zum Sinn die Wege unseres Lebens begleitet. Aus der Einsicht, dass uns dies unter Umständen zu abstrakt oder unverständlich erscheinen mag, hat er ganz konkret erläutert, wie wir unterwegs diesem Sinn immer wieder begegnen. Er erwartet uns als ungeschnittene Abfolge von Möglichkeiten, die sich uns in den 10.000 Momenten unseres Lebens darbieten. Für welche wir uns entscheiden, bestimmen unsere Werte, die wir wiederum auf drei Wegen finden: den Wegen des Schaffens, denen des Erlebens und denen der Einstellung.

Denn in allem, was wir tun, verwirklichen wir auch. Wir erschaffen, vom funktionierenden Schulhaus unserer Hauswartinnen und Hauswarte bis zu den Habilitationsschriften der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dem Trost der Mutter bis zur Symphonie der Komponistinnen und Komponisten, aber auch der Erfüllung einer unliebsamen Pflicht, dem Beistand in der Not unserer Mitmenschen. Wir erleben, von der Freude über unser Lieblingsessen zum Rausch einer Tiefschneeabfahrt, vom bedeutungsvollen Blick eines Gegenübers zum Sonnenaufgang, aber auch von der Verletzung durch einen mit uns in Beziehung stehenden Menschen zur Trauer über den Verlust einer Liebe. Dabei stehen wir mitten in einer Haltung, eine Einstellung bestimmt die Qualität unseres Handelns und Erlebens, ja, sie bestimmt unser eigentliches Person-Sein. Humorvoll oder dankbar, opferbereit oder aufgeschlossen, ausdauernd oder wahrhaftig, trotzig und würdevoll im Angesicht eines unausweichlichen Schicksals, so etwa können wir uns solche Haltungen vorstellen. Sie sind von größter Wichtigkeit für uns, weil wir in ihnen unsere unbedingte menschliche Freiheit, Grund unserer menschlichen Würde, wahrnehmen. Für Viktor Frankl sind gerade sie die wichtigsten Wege zur Verwirklichung der vielen Sinnmöglichkeiten, die das Leben für uns bereithält.

Auch wenn es nicht immer einfach ist: wer sich nicht verirrt, ist nicht auf dem Weg.

Jutta Clarke
Institut für Schulentwicklung, PH Kärnten

Viktor Frankl Symposium 2018 - Sinn und Autonomie

Zu Recht gilt Viktor Frankl als der Begründer der dritten Wiener Schule der Psychotherapie. Nach Sigmund Freud, der glaubte, die Grundmotivation des Menschen im Streben nach Lust erkennen zu können und Alfred Adler, der den Menschen von seinem Bedürfnis nach Dominanz getrieben sah, erkannte Viktor Frankl schon als ganz junger Mensch, dass die Hauptmotivation des Menschen in seinem Willen zum Sinn lag. Damit hat er dem Menschen die Autonomie zurückerobert und immer wieder betont, dass der Mensch eine Dimension besitzt, mithilfe derer er sich zu allem, auch zu sich selbst, einstellen kann. Wir müssen uns weder von anderen noch von uns selbst alles gefallen lassen. Wir können immer gestalten, auch wenn wir uns unseren Bedingtheiten nicht entziehen können. Der Raum, den wir dazu haben, ist von drei Säulen getragen: der Freiheit des Willens, dem Willen zum Sinn und dem Sinn des Lebens.

Es geht Frankl dabei um die Dinge, die es einem Menschen ermöglichen, sein Leben als gelingend zu empfinden. Wir sind dabei gefordert, in Freiheit immer wieder sinnvolle Antworten zu finden auf die Fragen, die das Leben stellt. Aus dem Antworten entsteht das Ver-Antworten, das wiederum nur aus autonomem Handeln resultiert, da es sonst nicht verantwortet werden kann. So kann, will und darf der Mensch seinen Lebensraum einrichten und dabei immer wieder seinem spezifischen Sinn begegnen. Denn der Sinn ist für uns nicht von einem vorgegebenen Regelwerk bestimmt, sondern begegnet uns in jedem Moment unseres Lebens aufs Neue. Leben kann gelingen, wenn wir auf die 10.000 Gebote der 10.000 Momente unseres Lebens frei und verantwortlich antworten. Autonomie im Sinne Frankls ist somit entscheidende Freiheit in Verantwortung.

Jutta Clarke
Institut für Schulentwicklung

10. Viktor Frankl Symposium – Sinn und Liebe

Fotos vom 10. Viktor Frankl Symposium [hier klicken]

10 Jahre Viktor Frankl Symposium
Ein Jahrzehnt der Begegnung und des Träumens liegt hinter uns. Was wir von allem Anfang an zeigen wollten ist das Unterschiedliche, das Konträre, vielleicht auch das Widersprüchliche in und um den großartigen Menschen Viktor Frankl.
Es war uns nicht genug, einem Weg zu folgen. Wir suchten nach vielen Abzweigungen. Begegnungen waren uns wichtig. Manchmal waren wir selbst unsicher. Menschen, jung und alt, gemeinsam beim Diskutieren, beim Zuhören, beim Sich Gegenseitig Frankl erklären, beim Fragen, beim Staunen.
Viele waren ein Jahrzehnt bereit Verantwortung zu übernehmen, sich auf Neues einzulassen, scheinbar Unwichtiges zuzulassen. All Ihnen gebührt mein Dank fürs Entstehen lassen.

Dr. Michael Gutownig
Institut für Schulentwicklung