Viktor Frankl Symposium 2018 - Sinn und Autonomie

Zu Recht gilt Viktor Frankl als der Begründer der dritten Wiener Schule der Psychotherapie. Nach Sigmund Freud, der glaubte, die Grundmotivation des Menschen im Streben nach Lust erkennen zu können und Alfred Adler, der den Menschen von seinem Bedürfnis nach Dominanz getrieben sah, erkannte Viktor Frankl schon als ganz junger Mensch, dass die Hauptmotivation des Menschen in seinem Willen zum Sinn lag. Damit hat er dem Menschen die Autonomie zurückerobert und immer wieder betont, dass der Mensch eine Dimension besitzt, mithilfe derer er sich zu allem, auch zu sich selbst, einstellen kann. Wir müssen uns weder von anderen noch von uns selbst alles gefallen lassen. Wir können immer gestalten, auch wenn wir uns unseren Bedingtheiten nicht entziehen können. Der Raum, den wir dazu haben, ist von drei Säulen getragen: der Freiheit des Willens, dem Willen zum Sinn und dem Sinn des Lebens.

Es geht Frankl dabei um die Dinge, die es einem Menschen ermöglichen, sein Leben als gelingend zu empfinden. Wir sind dabei gefordert, in Freiheit immer wieder sinnvolle Antworten zu finden auf die Fragen, die das Leben stellt. Aus dem Antworten entsteht das Ver-Antworten, das wiederum nur aus autonomem Handeln resultiert, da es sonst nicht verantwortet werden kann. So kann, will und darf der Mensch seinen Lebensraum einrichten und dabei immer wieder seinem spezifischen Sinn begegnen. Denn der Sinn ist für uns nicht von einem vorgegebenen Regelwerk bestimmt, sondern begegnet uns in jedem Moment unseres Lebens aufs Neue. Leben kann gelingen, wenn wir auf die 10.000 Gebote der 10.000 Momente unseres Lebens frei und verantwortlich antworten. Autonomie im Sinne Frankls ist somit entscheidende Freiheit in Verantwortung.

Jutta Clarke
Institut für Schulentwicklung

10. Viktor Frankl Symposium – Sinn und Liebe

Fotos vom 10. Viktor Frankl Symposium [hier klicken]

10 Jahre Viktor Frankl Symposium
Ein Jahrzehnt der Begegnung und des Träumens liegt hinter uns. Was wir von allem Anfang an zeigen wollten ist das Unterschiedliche, das Konträre, vielleicht auch das Widersprüchliche in und um den großartigen Menschen Viktor Frankl.
Es war uns nicht genug, einem Weg zu folgen. Wir suchten nach vielen Abzweigungen. Begegnungen waren uns wichtig. Manchmal waren wir selbst unsicher. Menschen, jung und alt, gemeinsam beim Diskutieren, beim Zuhören, beim Sich Gegenseitig Frankl erklären, beim Fragen, beim Staunen.
Viele waren ein Jahrzehnt bereit Verantwortung zu übernehmen, sich auf Neues einzulassen, scheinbar Unwichtiges zuzulassen. All Ihnen gebührt mein Dank fürs Entstehen lassen.

Dr. Michael Gutownig
Institut für Schulentwicklung

9. Viktor Frankl Symposium – Sinn und Wachsen

Das Menschenbild Frankls bezieht auch das Wachsen des Menschen ein. Im dialogischen Austausch mit der Welt, in der Sinnverwirklichung, wächst der Mensch zu seiner vollen Größe heran, manchmal sogar über sich hinaus. Der Mensch entwickelt sich seiner inneren Intuition folgend zur Persönlichkeit durch intentionale Zuwendung zu anderen Menschen und Dingen in der Welt. Rückert formuliert dies so: „Vor jedem steht ein Bilde des, was er werden soll; solang er das nicht ist, ist nicht sein Friede voll“.

Die Fähigkeit des Menschen zur Selbsttranszendenz führt sie zur Hingabe an die Sache und schließlich zu sich selbst zurück. Nach Karl Jaspers wird der „Mensch ganz er selbst durch die Sache, die er zur seinen macht“. So gesehen ist Persönlichkeitsbildung eine „Nebenwirkung“ sinnvollen Tuns.

Nach Meinung Frankls machen nicht Erbe und Umwelt den Menschen aus, sondern er gestaltet sich selbst auf der Basis seiner Anlagen, seinem Charakter sowie seiner Umwelt. Frankl formuliert dies so: Der Mensch „hat“ einen Charakter, „ist“ eine Person und „wird“ eine Persönlichkeit. Der Mensch ist daher nicht nur der, der er derzeit ist, sondern auch der, der er werden kann.

Die von Alfried Längle, einem Schüler Frankls, entwickelten vier Grundmotivationen des Menschen bilden eine Landkarte für die Entwicklung des Menschen. Die Beleuchtung des Lebens auf existenzielle Inhalte hin und die Mobilisierung der Potenzialität des Menschen in der Personalen Existenzanalyse sind Lebensschulung und verhelfen dem Menschen zum Wachstum.

Eva Maria Waibel